Ziel der Entwicklung

Logo: Wischbezug aus recycelten Abfallrandstreifen mit wabenförmigen Wirkmuster
Wischbezug aus recycelten Abfallrandstreifen mit wabenförmigen Wirkmuster

Das Projekt entstand aus der wachsenden Notwendigkeit heraus, Ressourcen in der Textilindustrie effizienter zu nutzen und textile Produktionsabfälle hochwertig in den Wertstoffkreislauf zurückzuführen. In der Textilveredlung fallen beim Beschichtungsprozess erhebliche Mengen hochwertiger Randstreifen an. Diese wurden bislang überwiegend thermisch verwertet oder kostenintensiv entsorgt. Diese Restmaterialien besitzen jedoch ein hohes Potenzial als Rohstoffquelle, da sie aus ungenutzten, leistungsfähigen Materialien bestehen.
Ein zentraler wirtschaftlicher Impuls kam vom steigenden Bedarf der Industrie an kosteneffizienten und nachhaltigen Produktionsverfahren, die in Qualität und Leistung mit herkömmlichen Produkten aus Primärmaterialien konkurrieren können. Der Markt für Reinigungstextilien ist stark preis- und leistungsgetrieben. Gleichzeitig wächst der Druck von Kunden und Gesetzgebern, den Einsatz recycelter Materialien zu erhöhen und Abfallmengen zu reduzieren. Hier setzte das Projekt „RecyClean“ an. Ziel war die Entwicklung eines innovativen Wischbezugs aus bislang ungenutzten Randstreifen, der den Anforderungen professioneller Reinigung in allen relevanten Leistungsparametern entspricht, dabei aber einen deutlich geringeren ökologischen Fußabdruck hinterlässt.
Die Entwicklung zielte dabei nicht nur auf die reine stoffliche Verwertung der Randstreifen ab, sondern auf ein technologisch ausgereiftes Produkt- und Fertigungskonzept. Im Mittelpunkt stand die Gestaltung verschiedener Arbeitsschichtstrukturen, die ohne aufwendige Zerkleinerung des Ausgangsmaterials auskommen und so den Recyclingaufwand minimieren. Daraus entstanden drei Grundkonstruktionen:
– Posamentenbandstruktur mit Schlaufen für effektive Partikelaufnahme,
– Wabenstruktur mit hexagonaler Maschenstruktur für gleichmäßigen Bodenkontakt und schlierenfreie Reinigung und
– Noppenstruktur aus zusammengestauchtem Strangmaterial zum Erzeugen von Druckstellen für eine erhöhte Partikelaufnahme .
Diese Strukturen wurden mit und ohne zusätzliche Saugschicht aus recyceltem PET getestet, um eine optimale Wasseraufnahme und -abgabe, Partikelspeicherung und Reinigungsleistung zu erzielen. Der Recyclinganteil sollte dabei zwischen 70 % und 95 % liegen. Gleichzeitig mussten alle Bauteile aus Polyester (Monomaterial) bestehen, um am Ende des Produktlebenszyklus eine sortenreine Wiederverwertung zu ermöglichen.
Weitere Entwicklungsziele waren eine Nutzungsdauer von mindestens 500 industriellen Waschzyklen, Kompatibilität mit gängigen Klettwischsystemen zur nahtlosen Integration in bestehende Reinigungsausstattungen und eine Fertigung in einer halbautomatischen Produktionsumgebung unter Einhaltung klarer Arbeitssicherheitsstandards.
Insgesamt verfolgte das Projekt das Ziel, textile Restmaterialien ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll zu nutzen und daraus ein marktfähiges, langlebiges und leistungsstarkes Reinigungsprodukt zu schaffen, das den Nachhaltigkeitsanforderungen der Branche gerecht wird und einen Beitrag zur Kreislaufwirtschaft in der Textilindustrie leistet.

Vorteile und Lösungen

Um das Projektziel zu erreichen, wurde ein Wischbezug entwickelt, der zu einem großen Teil aus recycelten Materialien besteht und gleichzeitig die Leistungsanforderungen einer professionellen Reinigung erfüllt. Der Lösungsansatz basiert auf einer dreischichtigen Produktstruktur.
Die Arbeitsschicht wurde direkt aus sortenreinen Randstreifen gefertigt. Dabei konnten verschiedene Abfallstreifen gemischt und ohne aufwendige Aufbereitungsschritte verarbeitet werden. Die ursprünglich vorgesehene Verarbeitungstechnik, die KEMAFIL®-Ummantelung, erwies sich im Verlauf der Entwicklung als entbehrlich, da die direkte Zuführung in eine Kettenwirkmaschine vergleichbare oder bessere Ergebnisse erzielte und zugleich einfacher sowie kosteneffizienter war.
Die Saugschicht ist eine Vliesstoffschicht, die aus mechanisch recyceltem Polyester (rPes) gefertigt ist. Sie sorgt für eine gleichmäßige Wasseraufnahme und -abgabe, ist kostengünstig und erhöht den Recyclinganteil des gesamten Produkts.
Die Deckschicht besteht bei allen finalen Mustern aus einer Klettrückseite der Firma Hillcon GmbH, Sebnitz. Diese garantiert die volle Kompatibilität der im Projekt entwickelten Wischbezüge mit handelsüblichen Klett-Wischsystemen, wie sie auch von professionellen Reinigungskräften eingesetzt werden.
Die direkte Nutzung der Randstreifen löst mehrere typische Probleme der Textilrecyclingkette: Textile Abfälle sind häufig aufgrund unterschiedlicher Formen, Qualitäten und Zusammensetzungen schwer nutzbar. Durch das direkte Verwenden entfällt ein energie- und kostenintensiver Aufbereitungsprozess, da die Materialien sortenrein und ohne Zerkleinerung weiterverarbeitet werden können.
Die gewählte Monomaterialbauweise, bei der alle Komponenten, einschließlich der Nähgarne, aus Polyester bestehen, bringt einen entscheidenden Vorteil: Nach Ende der Nutzungsdauer können die Wischbezüge ohne aufwendige Materialtrennung vollständig werkstofflich recycelt werden. Gleichzeitig konnte bei der Entwicklung auf den Einsatz kritischer Substanzen wie Glasfasern, toxische Farbstoffe oder gesundheitsbedenkliche Zusätze vollständig verzichtet werden.
Die Vorteile im Überblick:
– Abfallvermeidung durch direkte Nutzung von Produktionsresten ohne energieintensive Zwischenprozesse
– Ressourcenschonung: deutliche Reduzierung des Einsatzes von Primärmaterialien sowie Verringerung der zu entsorgenden Textilabfälle
– Kostenersparnis: geringere Rohstoff- und Entsorgungskosten für die Industrie.
– Wirtschaftliche Differenzierung: Positionierung als nachhaltiges Qualitätsprodukt mit klarer Marktchance.
– Recyclingfähigkeit: vollständige Wiederverwertbarkeit durch Monomaterialkonzept.
– Praxisgerechte Funktionalität: hohe Reinigungsleistung, Kompatibilität mit gängigen Wischsystemen.
Die Praxistests bestätigten die technische Leistungsfähigkeit: Mehrere Varianten des RecyClean-Wischbezugs erreichten die Höchstbewertung in der Gesamtperformance im Vergleich zu marktführenden Produkten. Sie boten:
– ausreichende Wasseraufnahme für die Benetzung von ca. 20 m² Bodenfläche
– gleichmäßige Wasserabgabe
– hohe Partikelaufnahme und sichere Partikelfreisetzung beim Waschen.
Außerdem überzeugen sie durch gute Handhabung und einfache Integration in vorhandene Klettwischsysteme.
Lediglich bei der Lebensdauer wurde das ambitionierte Ziel von 500 industriellen Waschzyklen noch nicht vollständig erreicht: Erste Tests zeigten etwa 100 Waschzyklen bei bestimmten Mustern. Optimierungen, beispielsweise durch Einsäumen, versprechen jedoch eine deutliche Steigerung.
Insgesamt bietet der RecyClean-Ansatz eine praxisnahe und zugleich nachhaltige Lösung: Die Kombination aus hoher Funktionalität, Ressourceneffizienz, vollständiger Recyclingfähigkeit und wirtschaftlichen Vorteilen führt zu einem Produkt, das einen ökologischen Mehrwert liefert und den steigenden Marktanforderungen an nachhaltige Reinigungstextilien gerecht wird.

Zielgruppe und Zielmarkt

Die im Projekt entwickelten Wischbezüge richten sich in erster Linie an Hersteller und Anwender professioneller Reinigungssysteme, wie sie in der Gebäudereinigung, in Industrie- und Produktionsbetrieben, in der Hotellerie und Gastronomie sowie in öffentlichen Einrichtungen und Verkehrsbetrieben eingesetzt werden. Auch Händler und Markenanbieter von Reinigungstextilien, die ihr Sortiment um nachhaltige Produktlinien erweitern möchten, zählen zu den relevanten Zielgruppen. Aufgrund der konsequenten Monomaterialbauweise und Recyclingfähigkeit besteht zudem Potenzial für Hersteller, die auf geschlossene Kreislaufwirtschaftssysteme im Textilbereich setzen.
International eröffnen sich insbesondere in Europa, etwa in Deutschland, Skandinavien und den Benelux-Staaten, attraktive Marktchancen, da dort die Nachhaltigkeitsstandards besonders hoch sind. Auch in Nordamerika und Australien steigt die Nachfrage nach umweltfreundlichen Reinigungstextilien, nicht zuletzt aufgrund von Green-Building-Zertifizierungen, die den Einsatz nachhaltiger Produkte fördern.
Für Anwender bieten die entwickelten Wischbezüge zahlreiche Vorteile. Sie verbinden hohe Reinigungsleistung mit reduzierten Material- und Entsorgungskosten, lassen sich durch ihre standardisierte Klettbefestigung problemlos in bestehende Wischsysteme integrieren und stärken das Umweltimage der Nutzer. Darüber hinaus leisten sie durch den geringeren Einsatz von Primärmaterialien und die Vermeidung energieintensiver Aufbereitungsschritte einen messbaren Beitrag zur CO₂-Reduktion.
Der Transfer der im Projekt erarbeiteten Ergebnisse in Anwenderunternehmen erfolgt über direkte Kooperationen mit Produzenten von Reinigungstextilien und Systemanbietern. Musterproduktionen dienen als Referenz und können für die Serienfertigung übernommen oder angepasst werden. Die Projektergebnisse werden zudem auf Fachmessen, in Branchenverbänden sowie über Fachpublikationen verbreitet, um eine breite Marktdurchdringung zu erreichen.
Für die eigene Einrichtung ergeben sich daraus deutliche wirtschaftliche Effekte. Neben der Stärkung der Marktposition als Entwicklungspartner für nachhaltige Textillösungen wird das Portfolio um praxiserprobte Recyclingprodukte erweitert. Gleichzeitig entsteht Zugang zu neuen Kundensegmenten im internationalen Markt für Reinigungstechnik sowie Potenzial für Lizenz- und Kooperationsmodelle.
Bereits während des Projekts wurden die Wischbezüge erfolgreich unter realen Bedingungen getestet, unter anderem in Bürogebäuden und öffentlichen Einrichtungen. Dabei konnten sie marktführende Produkte in der Gesamtleistung erreichen. Erste Hersteller haben ihr Interesse bekundet, die entwickelten Muster in bestehende nachhaltige Produktlinien zu integrieren, sodass ein schneller Übergang von der Entwicklung in den Markt möglich ist.