Ziel der Entwicklung

Logo: Änderung des Haut-pH-Wertes nach Applikation von Vliesen mit jeweils verschiedenen Öl- und Fettsäuremischungen. © FILK Freiberg Institute gGmbH
Änderung des Haut-pH-Wertes nach Applikation von Vliesen mit jeweils verschiedenen Öl- und Fettsäuremischungen. © FILK Freiberg Institute gGmbH

Ziel des Projektes war die Herstellung eines fettsäurehaltigen Kollagenvlieses mit pflegenden Eigenschaften, welches insbesondere bei trockener Haut mit erhöhtem Haut-pH-Wert kosmetischen Anwendung finden soll. Das resultierende kosmetische Vlies sollte in trockenem Zustand bei Raumtemperatur lagerfähig sein.
Es war vorgesehen, dass das Kollagenvlies zur Anwendung angefeuchtet und auf die zu pflegende Haut aufgelegt wird. Die freiwerdenden Fettsäuren sollten zu einer Ansäuerung der Haut führen. Damit sollten die Produktion von Ceramiden angeregt sowie die Barrierefunktion und Wasserspeicherkapazität der Haut verbessert werden. Die freigesetzten Fettsäuren sollten außerdem zur Regulierung der Hautflora beigetragen, indem pathogene Keime reduziert wurden, hauttypische Keime in ihrem Wachstum allerdings nicht beeinträchtigt wurden. Zudem war angestrebt, dass durch die Verwendung von Kollagen als Trägermaterial feuchtigkeitsspendende Eigenschaften erzielt werden können.

Vorteile und Lösungen

Durch die Verwendung von Kollagen als Vliesbasis weist dieses feuchtigkeitsbindende Eigenschaften auf. Trotz Anbetracht des Kostenfaktors ist die Verwendung freier Fettsäuren für die pH-Wert-Regulation notwendig, da nur diese über eine freie Carboxylgruppe verfügen, die eine Absenkung des Haut-pH-Wertes bewirkt. Als eine Strategie zur Kostensenkung für ein zu entwickelndes Produkt ist die Verwendung von nur einer Fettsäure im Vlies vorzuschlagen. Sowohl die Senkung des Haut-pH-Wertes als auch die Anregung der Ceramidproduktion der Keratinozyten ließ sich mit einer einzelnen Fettsäure erreichen. Bei dieser Testung von ungesättigten Fettsäuren konnte kein Rückschluss auf eine besonders gut geeignete Fettsäure erfolgen.
Die Anregung der Ceramidproduktion von Keratinozyten durch die getesteten Fettsäuren ist ein wesentliches Ergebnis. Sofern diese Wirkung auch in der Haut von Nutzern zu erreichen ist, könnte die Wirkung der Vliese nachhaltig sein und die Barrierefunktion der Haut somit langfristig verbessern. Zudem sind die Vliese auch nach längerer Lagerung in trockenem Zustand stabil. Sie zeigen auch nach mehreren Monaten noch die Haut-pH-Wert senkende Wirkung. Als ein Problem erwies sich die Verfärbung der Vliese bei längerer Lagerung. Dies lässt sich möglicherweise durch eine Lagerung in luftdichten Folien verhindern, da anzunehmen ist, dass die Verfärbung auf eine Oxidation der Fettsäuren zurückgeht. Außerdem könnte die Zugabe von Antioxidantien wie beispielsweise Vitamin E, welches häufig in der Kosmetikbranche verwendet wird, hilfreich sein.

Zielgruppe und Zielmarkt

Die europäische Kosmetikindustrie setzt sich sowohl aus großen Konzernen als auch aus kleinen und mittelständischen Firmen zusammen. In die Herstellung von Kosmetikartikeln sind davon europaweit etwa 6.000 kleine und mittelständische Unternehmen involviert.
Der europäische Markt für Kosmetikprodukte betrug 2020 circa 77 Mrd. Euro und ist weltweit der größte Markt für Kosmetik und Pflegeprodukte. Den größten Marktanteil innerhalb Europas hat Deutschland mit rund 14 Mrd. Euro. Der Bedarf an Kosmetik und Pflegemittelprodukten innerhalb des europäischen Raums wird weiterhin ansteigen. Auch der globale Markt für Pflegemittel wie kosmetische Gesichtsmasken wächst jährlich.
Zielmärkte sind weiterhin die kollagenverarbeitende Industrie sowie Teile der biotechnologischen und oleochemischen Industrie, die das Material für die Vliese bereitstellen. Diese Industriebranchen sind vor allem kleine und mittelständische Unternehmen.