Ziel der Entwicklung

Logo: Farbton eines Rotweins nach 19-monatiger Lagerung (li), Vergleich zum Originalfarbton (re)
Farbton eines Rotweins nach 19-monatiger Lagerung (li), Vergleich zum Originalfarbton (re)

Ziel des Projektes war die Entwicklung von Prüfflüssigkeiten zur Bestimmung der Oberflächenbeständigkeit von Möbeloberflächen und Fußbodenbelägen im Rahmen der EN 12720 bzw. CEN/TS 16209. Der Fokus lag hierbei auf der Entwicklung eines synthetischen Rotweins, der im Vergleich zu seinen natürlichen Pendants eine konstante, laborunabhängige Anfärbeleistung garantiert, sowie eines Reinigungs- und Desinfektionsmittels, das den Stand der Technik hinsichtlich Reinigungsleistung und Oberflächenangriff abbildet. Somit sollten Abweichungen zwischen Laboren, aber auch zwischen normativer Prüfung und dem realen Verhalten im Alltag minimiert werden.

Vorteile und Lösungen

A) Entwicklung eines synthetischen Rotweins: Im Projekt wurde, basierend auf den Ergebnissen von 18 natürlichen Rotweinen in der Anfärbung von Oberflächen, in Kombination mit deren chemischer Zusammensetzung die für die Anfärbung relevanten Komponenten im Rotwein ermittelt. Daraus konnten Richtrezepturen abgeleitet werden, die sukzessive optimiert wurden, um eine konstante Anfärbung im Bereich der natürlichen Benchmarkrotweine bei gleichzeitig einfachster Zusammensetzung zu erzielen. Dieses Ziel wurde erreicht. Weiterführend wurde dies auch bei Anwendung von chargenverschiedenen Komponenten in einem Ringversuch mit 14 Teilnehmern bestätigt. Abschließend konnte durch die Untersuchung des Alterungsverhaltens von Rotwein auch eine Lagerungsempfehlung abgeleitet werden, um eine Alterung und damit einen Verlust an Anfärbeleistung zu verlangsamen. Somit wurde das avisierte Teilziel vollständig erreicht. B) Entwicklung einer Referenzoberfläche: Im Zuge der Rotweinentwicklung wurden ebenfalls die verschiedenen Oberflächen hinsichtlich ihrer Eignung als Referenzoberflächen untersucht. Dabei zeigte sich, dass eine mit einem wässrigen 1K-Hydrolack eines bestimmten Lackherstellers beschichtete Oberfläche hierfür grundsätzlich gut geeignet ist, um die Anfärbung sicher bewerten zu können. Da es jedoch möglich war, Lagerungsbedingungen für den entwickelten synthetischen Rotwein zu erarbeiten, die eine zwölfmonatige Nutzung sicher ermöglichen, ist der Bedarf an dieser Oberfläche zur Überprüfung des Rotweins auf seine verbliebene Anfärbeleistung nicht so hoch, wie bei der Projektbeantragung prognostiziert. C) Entwicklung eines Reinigungs- und Desinfektionsmittels: Im Projekt wurden sechs kommerzielle Reinigungsmittel auf ihre Reinigungsfähigkeit hin überprüft. Daraus konnten neue Reinigungsmittel zusammengestellt werden, die ausgiebig untersucht und optimiert wurden. Schlussendlich wurde eine Rezeptur eruiert, die hinsichtlich der Reinigungsfähigkeit dem aktuell in der Norm implementierten Reinigungsmittel überlegen ist. Zusätzlich wurden auch andere Verdünnungen und deren Auswirkung auf die Reinigungsleistung untersucht und ein Vorschlag für eine alternativ anzuwendende Konzentration erarbeitet. Zusätzlich wurden sieben kommerzielle Desinfektionsmittel gemäß den vom RKI empfohlenen Klassen für Oberflächen-, Hand- und Gerätedesinfektion in die Untersuchungen einbezogen. Eines hiervon entsprach dem laut der bisherigen Vorgabe der EN 12720 zu nutzenden Desinfektionsmittel. Im Ergebnis wurden zwei neue Richtrezepturen erstellt, die den Stand der Technik abbilden und eine höhere Oberflächenaggressivität, insbesondere auf lackierten Oberflächen, besitzen. Dies wurde im Ringversuch bestätigt und soll 11-2025 abschließend dem Normengremium zur Übernahme in den Normungsvorschlag der EN 12720 und CEN-TS 16209 vorgestellt werden.

Zielgruppe und Zielmarkt

Potenzielle Zielgruppen: 1) Möbel- und Fußbodenhersteller (Produktionskontrolle, Gruppierung der Produktqualitäten, Reklamationskontrolle); 2) Holzwerkstoffhersteller bei beschichteten Produkten als Zulieferer der Möbel- und Fußbodenindustrie (Produktionskontrolle, Gruppierung der Produktqualitäten, Reklamationskontrolle); 3) Lackhersteller als Zulieferer der Möbel- und Fußbodenbranche (Gruppierung der Produktqualitäten); 4) Prüfinstitute (Feststellung von Produkteigenschaften im Rahmen der Normen hinsichtlich Beständigkeit, Zulassung und Zertifizierung, Schadensanalytik). Durch die entwickelten Prüfmittel und der Etablierung der CEN/TS 16209 sowie der Novellierung der DIN EN 12720 und DIN EN 13442 werden für die oben genannten Zielmärkte sichere Rahmenbedingungen geschaffen, um Produktqualitäten nach steigender chemischer Beständigkeit zu definieren und Reklamationen vorzubeugen. Hiervon profitieren deutsche Hersteller für Möbel und Fußböden signifikant, da diese einen hohen Exportanteil von ca. 33 % (Stand 2024) besitzen. Im Bereich der Fußbodenbeläge liegen die für das Jahr 2025 prognostizierten Umsätze allein in Deutschland bei 665 Mio. Euro. Von der Fleckenprüfung zur Bewertung der chemischen Beständigkeit sind hierbei alle Beläge mit Ausnahme der Teppich- und Textilbeläge betroffen. Damit ist die Prüfung eine wesentliche Kenngröße in der Produktzulassung. Weiterhin zahlt sich z. B. schon eine geringfügig verbesserte Reklamationsquote aufgrund einer reproduzierbaren, in allen Prüflaboren nachvollziehbaren Fleckenbeständigkeitsprüfung und damit korrekten und einheitlichen Einstufung der Beständigkeit nach Norm deutlich aus. Lackhersteller und Holzwerkstoffhersteller sind maßgeblich für die Möbel- und Bodenbelagshersteller, um bestimmte Oberflächenqualitäten zu erreichen. Hierzu zählen insbesondere Lacke, Dekorfinishfolien und Laminate bzw. damit beschichtete Holzwerkstoffe. Durch neue, stringent eingeteilte Produktqualitäten bei den Bodenbelags- und Möbelherstellern kann es hier zu Umverteilungen von gefragten Produkten der Lack- und Holzwerkstoffhersteller kommen. Gleichzeitig kann es in Folge der nun konsistenteren Produktprüfung und damit einer gewissen Prüfsicherheit zu Kosteneinsparungen durch Produktoptimierungen sowohl bei den Möbel- und Bodenbelagsherstellern als auch bei den Lackherstellern kommen. Dies liegt darin begründet, dass die Beschichtungen und damit auch die Oberflächen dann verlässlich geprüft werden können und somit keine „chemische Beständigkeitsreserve“ mehr eingeplant werden muss, um die Prüfung der chemischen Beständigkeit mit Sicherheit zu bestehen. Dies ist bisher nötig, da insbesondere das Prüfmittel Rotwein eine hohe natürliche Schwankungsbreite in seiner Anfärbeleistung aufweist, welches gleiche Oberflächen je nach Wein unterschiedlich resistent gegenüber Anfärbung erscheinen lassen. Dieses Risiko fällt nach Etablierung des empfohlenen synthetischen Rotweins in der Normung weg. Im Bereich der Produktprüfung/Dienstleistung ist durch die Normen ebenfalls eine Nachfragesteigerung zu erwarten, um entsprechende Produkte der Hersteller (Bodenbeläge, Möbel, Küchenarbeitsplatten, Küchen etc.) für den Markt zu testen und zuzulassen. Daher profitieren hier insbesondere nach DIN EN ISO 17025:2018 akkreditierte Prüfinstitute, die diese Prüfungen im Rahmen der Zulassung und der regelmäßigen Qualitätskontrolle anbieten.